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Am Literaturtelefon unter der Rufnummer 0431/901-8888 und auf www.literaturtelefon-online.de sind in den nächsten Wochen die Preisträger des vom Freundeskreis des Literaturhauses Schleswig-Holstein e.V. ausgeschriebenen Jungen Literaturpreises S.-H. 2019 zu hören. Angelina Bock gewann mit ihrem Text „Der Glücksmacher“ den 3. Preis. Die Aufnahme entstand im Rahmen der Lesung zur Preisverleihung im Literaturhaus S.-H. am 25.3.2019.



Laudatio (Jörg Meyer)

„Es war einmal“, „eines schönen Tages“, so beginnen Märchen und spinnen sich fort. Auch dieses vom „Glücksmacher“. Angelina Bock „bedient“ das Genre entsprechend und karikiert, parodiert es zugleich. Was vom Klang her und in der Faktur fast aus der originalen Feder der Gebrüder Grimm stammen könnte, ist ein ganz modernes Märchen vom Glück – und seiner Flüchtigkeit.

Ein Glücksmacher ist hier unterwegs zu manchen Unglücklichen, um ihnen das Glück zu bringen, sie zu beglücken. Wie beim berühmten Märchen „vom Fischer und siene Fru“ dekliniert die Autorin die Glücksempfängerinnen durch – auch sprachlich wie in nämlichem Märchen, wo sich Sätze des immer Gleichen wiederholen. Der eine hat dies Leid, die andere jenes Gebrechen und wird vom Glücksmacher geheilt, indem er ihnen das Glück übergibt. Doch die alte Geschichte bleibt immer neu, wie Heine einst wusste: Das Glück heilt für den Moment, doch dann will es wieder zurück zu seinem „Vater“ und Macher, bevor es selbst unglücklich wird.

Sagen wir es ruhig so: Dieses Märchen glückt in seinem geradezu archaisch erzählerischen Kreisen um das Glück, das immer nur für einen Moment da ist, um dann wieder zu verschwinden, auf neue Reise zu gehen. Eine wundervolle, geradezu philosophische Parabel auf das wie sein Macher stets auf Wanderschaft befindliche Glück. Nur in seiner Flüchtigkeit ist es, kann nur so sein.

Und wenn es am Ende heißt „Denn der Glücksmacher, so sagt man, kommt bei jedem einmal vorbei. So wird er auch zu dir kommen, um das Glück in deine Hände zu legen. Welches Unglück wirst du ihm dann klagen und wie lange wirst du warten?“, sind wir als LeserInnen seltsam beglückt – und auf das Glück hoffend getröstet.

Foto: privat

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