Jonas LĂĽscher

Am Literaturtelefon unter 0431/901-1156 und www.literaturtelefon-online.de liest Jonas Lüscher aus seinem beim Verlag C.H. Beck, München erschienenen Debütroman „Frühling der Barbaren“. Die Aufnahme entstand als Mitschnitt beim Lesefest im Rahmen des 12. Europäischen Festivals des Debütromans am 15.5.2014 im Literaturhaus Schleswig-Holstein.

Der Protagonist dieser raffiniert gebauten Novelle, der Schweizer Fabrikerbe Preising, wird auf einer Geschäftsreise in einem gehobenen tunesischen Oasenresort Zeuge aufwendiger Hochzeitsvorbereitungen. Reiche junge Engländer aus der Londoner Finanzwelt haben Freunde und Familie für ein großes Fest um sich versammelt und feiern schon im Voraus ausschweifend, als sich die wirtschaftlichen Krisensignale zur Katastrophe verdichten: Das britische Pfund stürzt ab, kurz danach ist England bankrott, mit unabsehbaren Folgen, die auch Tunesien nicht unberührt lassen. Preising, als Schweizer zwar von den schlimmsten Folgen ausgenommen, muss miterleben, wie dünn die Decke der Zivilisation ist, und lernt seine ganz eigene Lektion in Globalisierung, denn seine Firma lässt in Tunesien fertigen. Auch Preising bleibt nicht ungeschoren. Spannend, klug konstruiert, durchaus auch komisch, mit unvergesslichen Bildern und einer reichen, beweglichen Sprache erzählt, seziert dieses Buch menschliche Schwächen und zielt dabei mitten ins Herz der Gegenwart.

Jonas Lüscher, geboren 1976 in der Schweiz, wuchs in Bern auf, wo er 1994 bis 1998 am Evangelischen Lehrerseminar Muristalden zum Primarlehrer ausgebildet wurde. Nach einigen Jahren als Stoffentwickler und Dramaturg in der Münchner Filmwirtschaft nahm er 2005 sein Studium an der Hochschule für Philosophie München auf, welches er 2009 mit dem Magistergrad abschloss. Nebenbei arbeitete Lüscher als freiberuflicher Lektor. Nach seinem Abschluss war Lüscher zwei Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN) der LMU München und gleichzeitig Ethiklehrer an der Staatlichen Wirtschaftsschule München. 2011 wechselte Jonas Lüscher an die ETH Zürich. Er promoviert dort bei Michael Hampe über die Bedeutung von Narrationen für die Beschreibung sozialer Komplexität vor dem Hintergrund von Richard Rortys Neo-Pragmatismus. 2013 erhielt er den Berner Literaturpreis und den Bayerischen Kunstförderpreis.

Verlag: C.H. Beck, MĂĽnchen

Foto: Ulrike Arnold

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